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PERSPEKTIVE: AMAZON KAUFT SICH BEI K+N EIN: WAS BEDEUTET DAS FÜR EUROPAS LOGISTIKER?

Was zeigt der Milliarden-Deal zwischen Kühne+Nagel und Amazon? Der US-Gigant gewinnt einen noch größeren Einfluss auf den globalen Logistikmarkt. Und die IT wird zur Macht.

06. Oktober 2026 – Zwei Giganten machen gemeinsame Sache. Die Global Player Kühne+Nagel und Amazon haben eine strategische Zusammenarbeit vereinbart. Der Schweizer Logistiker übernimmt für den US-Konzern weltweit die Logistik für den Auf- und Ausbau von Rechenzentren. Im Gegenzug erhält Amazon eine Kaufoption über K+N-Aktien.

Das Ziel des US-Konzerns: Die Infrastruktur für das größte Cloud-Netzwerkt der Welt, Amazon Web Services (AWS), soll noch sicherer und leistungsfähiger werden. So der offizielle Wortlaut des Schweizer Logistikers. Die Nachricht hinter der Nachricht: Mit dem Deal weitet Amazon seinen Einfluss auf den globalen Logistikmarkt massiv aus und stärkt gleichzeitig seine eigene Logistiksparte.

Wer beobachtet, wie massiv Amazon mit eigenen Logistikzentren und eigenem Fulfillment seit Jahren in den europäischen Markt drängt, muss dahinter eine Strategie vermuten, die an das Trojanische Pferd erinnert: Wir machen dir langfristige Aufträge zum Geschenk, und früher oder später sind wir Teil deiner Logistik.

DATENSOUVERÄNITÄT ENTSTEHT DURCH UNABHÄNGIGKEIT

„Die Partnerschaft zwischen Kühne+Nagel, Amazon und AWS leistet einen wichtigen Beitrag zur Resilienz, Skalierbarkeit und Effizienz von Lieferketten für globale Cloud-Infrastrukturen und unterstützt damit das weitere Wachstum in diesem Sektor“, verkündet Stefan Paul, CEO der Kühne+Nagel International AG, politisch korrekt gegenüber der Öffentlichkeit. Aber das ist eben nur die eine Seite des Deals.

Wie clever der US-Konzern mit Zweiflern und Bedenkenträgern umgeht, zeigen Projekte wie die AWS European Sovereign Cloud. Die neue, eigenständige Cloud für Europa ist „vollständig innerhalb der Europäischen Union (EU) angesiedelt“ und soll Kunden dabei unterstützen, „selbst strengste Anforderungen an die digitale Souveränität zu erfüllen“, so das Unternehmen.

Augenwischerei? „Es reicht nicht aus, dass sich der Server in Deutschland oder Europa befindet“, sagt Oleksii Milovanov, Director of Operations & Development bei SAE. „Datensouveränität ergibt sich aus einer Kombination aus Datenkontrolle, Transparenz, Sicherheit, Interoperabilität und einer möglichst geringen Abhängigkeit von einzelnen Technologieanbietern.“

KONTROLLE ÜBER DATEN UND PROZESSE

LogWorld wurde nach diesen Grundsätzen konzipiert. Die neue IT-Plattform der System Alliance Europe wurde auf die spezifischen betrieblichen Anforderungen der SAE und ihrer Mitglieder zugeschnitten und gemeinsam mit einem spezialisierten Technologiepartner umgesetzt. Sie ermöglicht den SAE-Partnern die Zusammenarbeit über Unternehmens- und Landesgrenzen hinweg, während ihre Prozesse, Governance und Funktionalität entsprechend den Anforderungen der Kooperation und ihrer Mitgliedsunternehmen definiert sind.

 

„Digitale Souveränität bedeutet für uns nicht, dass jede Technologie intern entwickelt werden muss“, erklärt Milovanov. „Es bedeutet, die Kontrolle über unsere Daten, unsere Prozesse und die strategischen Entscheidungen hinter der Plattform zu behalten und gleichzeitig mit spezialisierten Technologieanbietern zusammenzuarbeiten, wo diese einen Mehrwert schaffen. Letztendlich sollte Technologie die unternehmerische Unabhängigkeit unserer Mitglieder unterstützen, anstatt eine neue Abhängigkeit zu schaffen. Dieser Grundsatz ist für uns im IT-Bereich genauso wichtig wie in unserem operativen Netzwerk.“